Seien wir mal ehrlich: Ein Strobel ist jetzt nicht gerade der prototypische Rettungshund. Klar, er hat eine fantastische Nase – daran mangelt es nicht. Aber rassespezifisch bringt er auch eine ordentliche Portion Schärfe mit, gepaart mit einem Hang zu territorialem Verhalten. Oder wie ich es nenne: eine ganz spezielle Mischung aus Genie und Wahnsinn.
So auch mein Strobel-Tier, Pitchou. Und ich gebe es zu, dieses Thema hat mich schon oft an den Rand der Verzweiflung gebracht. Denn: Mein Pitchou lässt sich nicht gerne von Fremden anfassen. Gar nicht. Punkt. Das wäre ja an sich kein Problem – wenn da nicht dieser kleine, aber entscheidende Eignungstest beim DRK wäre, bei dem die Rettungshunde ihre Sozialverträglichkeit unter Beweis stellen müssen. Sagen wir mal so: Das war unsere größte Hürde.
Aber wie heißt es so schön? Geduld ist eine Tugend – und unsere Trainer haben bewiesen, dass sie echte Heilige sind. Mit viel Arbeit, Lob und vielleicht dem ein oder anderen Bestechungsleckerli haben wir es irgendwie geschafft. Nicht mit Bravour, aber hey, wir haben den Zettel in der Tasche! Und darauf kommt es doch an, oder?
Die Suche: Von Höhenflügen und Pubertätsdramen
Als Junghund war Pitchou ein echter Überflieger. Suchen, finden, bellen – das hatte er ratzfatz drauf. Doch dann kam sie… die Pubertät. Und mit ihr der Untergang jeder Disziplin. Andere Rüden? Plötzlich wahnsinnig interessant. Versteckpersonen? Ja klar, werden gefunden – aber erst, nachdem das Gebiet drumherum ausgiebig markiert und beschnüffelt wurde. Schließlich könnte man ja was verpassen!
Mit zweieinhalb Jahren hatten wir das Schlimmste überstanden. Endlich war wieder Fokus angesagt. Heute arbeitet Pitchou seine Suchgebiete konzentriert und zielstrebig ab, findet Personen zuverlässig und zeigt mittlerweile auch richtig toll an. Andere Hunde in der Suchkette? Kein Thema mehr – im Einsatz gibt es für ihn nur noch eins: die Arbeit.
Baustellen und kleine Wunder
Unsere größte Baustelle bleibt der Kontakt zu Fremden. Aber – und jetzt kommt das große Aber – sobald Pitchou die Kenndecke trägt, ist er wie ausgewechselt. Fremde Menschen? Kein Problem. Das zeigt mir, dass wir auf einem guten Weg sind. Und wer weiß, vielleicht wird er irgendwann auch ohne Kenndecke entspannter. Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
Momentan sind wir viel im Bereich ASP-Kadavernachsuche im Einsatz, was das RHS-Training etwas in den Hintergrund rücken lässt. Unser Ziel für 2025 bleibt aber: Im Herbst wollen wir die Prüfung angehen. Ob wir dann wieder auf den letzten Drücker alles hinbekommen? Na, lasst euch überraschen – ich rechne mit allem.
Let‘s Talk
Habt ihr Fragen oder Anregungen? Oder vielleicht selbst Geschichten von Hunden, die euch graue Haare wachsen lassen? Immer her damit – ich freue mich drauf!
